Dienstag, 23. April 2013












es ist die mutter, die uns nährt und wärmt und lehrt, die wir dann irgendwann ansehen, um abgrenzung zu suchen.

...seit ihr auf euch selbst sitzen geblieben seid.   ...oder weil wir mit ganz anderen möglichkeiten aufwachsen.   ...möglicherweise dann nur um der abgrenzung selbst willen.


alles: nur nicht vergehen in selbstverständlichkeiten und unhinterfragter manier, verblassen, das eigene sein vertun (als mensch, als wesen, als schaffende instanz). nur das nicht.












es leuchtet grün. 
unter schwerem speichelfluss beißen wir hinein.
wenn wir breit grinsen vor lauter wildem leben, hängen uns die fasern zwischen den zähnen.


Donnerstag, 8. November 2012

und überhaupt: woher nehmen wir denn das recht?
ich mein, wir vermuten mehr, als wir wissen, selbst über uns und unser innerstes, und leiten daraus ab, was schwindelerregend zwischen uns steht, zwischen dir und mir und zwischen uns und der welt.
und ich weiß, dass du nicht antworten kannst. frage aber trotzdem. gebe mir nach. meiner sehnsucht nach dir, meiner sehnsucht nach der klarheit in dir. die ich suche, flegmatisch, paralysiert vom schwindel.
im schwindel wanke ich aus der tür, hinaus in den frischen, knietiefen schnee. mir sind die glieder so heiß, dass ich ganz ungerade bahnen in das weiß hineinschmelz.
ich weiß, dass du nicht antworten kannst. aber es drängt sich mir so auf, darum zu bitten. um unmögliches, um unverständliches sogar.


ich bin voll davon, wach und entschieden. entschieden zu zufälligkeiten.

doch: es gibt keinen neuschnee. garkein schnee liegt, nichts bedeckt und stillt.
ich beweg mich nicht. ich steig auch nicht aufs rad. auch nicht aufs dach. mein hund schläft schon. heute passiert doch nichts mehr.
der schwindel verfliegt. alles geschwindelt. morgen werd ich mich fragen, was war, im brief die hälfte vergessen und alles wird schon wieder lang zurück liegen.
wie verhindere ich das?

Sonntag, 21. Oktober 2012

es dunkelt. nacht fällt über uns und die welt. lange vorher können wir das rauschen hören, wie sie gen erde stürzt. ungefragt, autoritär, willkürlich. immer lauter töst es, bis sie irgendwann mit einem schweren schlag auf uns hereinbricht, mit dunkelster leidenschaft und einer präzision, wie sie sonst nichts zu eigen ist. und wir liegen nur da. warten. verharren. und geben uns hin.

nein, nicht die gewalt der nacht ist es. es ist der tag.

die nacht wird verdrängt von der hitze und dem blenden des sich über alles legenden tages, liegt schon zurück. eben noch waren wir geschützt von schatten und kühlung, jetzt vergessen wir das schon und erblinden in angesicht der hässlichkeit und unwiderruflichkeit. der tag ist laut, nicht selbst aus sich heraus, vielmehr ist es all das, was er aus der kruste dieses zivilisierten planeten hervorschneidet, was quillt wie unaufhaltsamer, abgestandener saft des seins.

mit unbegreiflicher geschwindigkeit erstickt eine neue welle der dunkelheit alles lichtabhängige leben und schenkt geborgenheit in seiner ungewissheit.
eher als zu erwarten zerstrahlt vom nächsten tag und dessen sicherheit.

nacht. tag. nacht. tag. nacht. tag. nacht.

wir verlieren uns in kosmischen intervallen, schließen kein auge vor staunen, geben uns ganz, mit geist und körper, dem hin, was da kommen mag. überrascht von jeder wiederholung einer abwechslung, die unser entstehen überhaupt möglich gemacht hat.

das wird uns klar, wir sind, weil tag und nacht seit anbeginn ihre kräfte messen. wir sind.
doch es ist beinahe egal. ja, wenn wir uns konzentrieren, ist es uns ganz gleichgültig, dass wir sind.

es kostet uns viele tage und nächte, uns zu erheben, zu lang haben wir wache gehalten, gewacht, wach gelegen. eines tages.. vielleicht einer nacht.. doch am ehesten zur zeit einer tauben dämmerung haben wir uns aufgerichtet, menschen, wie es unzählige und darüber hinaus noch weit mehr gibt.

tag und nacht, nacht und tag hetzen an uns vorbei. doch wir nehmen alle urkraft zusammen, aus der tiefe unserer glieder und herzen, fassen einen ewigen entschluss und heben zum ersten schritt vor sonne und mond an. viel zeit vergeht, möglicherweise wochen und monate. wir sehen den mond abnehmen und dann zunehmen und wieder vom beginn und wir sehen die sonne ihre bahnen ändern, aber zählen können wir die nächte und tage nicht. bis wir den fuß absetzen, bis wir unsere riesigen körper nachschleppen. bis wir wirklich zum zweiten schritt übergehen. ein schritt nach dem anderen. unendlich langsam und unendlich entschlossen. keine pause nehmen wir uns, keinen schlaf und mit jedem schritt wird unser einziger glaube, nämlich der an uns selbst, gestärkt. seit wir erkennen, woher wir unsere kräfte beziehen können, sind wir den planeten und ihrer jagd in perioden überlegen.

zu unseren seiten rauscht und töst es, regen ertränkt, dürre vertrocknet, jahreszeiten verheeren die länder. die, die um uns herum sind, schlafen, wachen, schlafen, wachen, irren und fehlen. wir gehen schritt für schritt.

wir entwickeln eine ungekannte wahrnehmung, die müdigkeit der welt ist die schärfe unserer sinne.

zeiten vergehen und langsam passieren wir die alleen, die schluchten des postindustriellen größenwahns, häuser der berühmten, der bürgerlichen, der bildungslosen, der künstler, der armen, der kranken, der toten, die realitäten der großen städte.

auf den asphaltierten straßen verlassen wir die zivilisationen. unser steter weg führt uns über land, über felder, über brachen, durch wald und höhlen.

wir überqueren höchste berge, überschreiten gletscher, die schneller wandern als wir, können beinahe nicht mehr atmen von der dünnen luft, steigen hinab in tiefste täler, folgen den kleinsten wasserläufen und größten strömen bis an die ozeane.

wir durchwandern wasserwelten auf untersten gründen, gehen wieder an land, schlagen uns durch dichteste urwälder, deren ranken uns immer wieder umwachsen.

wir streifen durch savannen und versinken bis zu den knöcheln in den heißesten sanden der trockensten wüsten.

wir durchmessen die pole, schneien ein, tauen wieder auf, spüren das magnetfeld dieser welt und all ihre innerste wärme und kraft.

tag und nacht verfolgen sich mit unhaltbarer kontinuität, nehmen uns kaum wahr, die wir uns durch unsere kurzlebigkeit gegen alles andere auszeichnen.
wir erwehren uns gegen müdigkeit und verfall, halten unsere sinne mit der neugier unserer herzen wach und bewegen unsere körper mit der neugier unseres fleisches.

..

keinen moment schließen wir unsere augen.

..



mit langsamem schritt erkennen wir die tiefe, tiefe schönheit dieser welt. erst so erkennen wir. natur und menschliches schaffen sind von unmessbarer schönheit, gerade in all ihrer absurdität und ekelerregenden ziellosigkeit. unmessbar und zweifellos schön.


nach umrundung der welt halten wir inne. vielleicht schlafen.

durch den hof, durch den garten, durch das törchen, aufs feld.


 



















Freitag, 12. Oktober 2012

wie ein don quijote der harmonie und zufälligkeit laufe ich die dunkle landstraße vierhundertsechsunddreißig hinauf. mich tragen dieselben schuhe, die vor einem jahr noch am anderen ende der welt in den grauen sand der vorstadtwüste versunken sind. unter einem dunkelnden himmel, der sterne und landsuchende flieger langsam sichtbar werden lässt und die fernen windräder in violettes vergessen hüllt, halte ich mich an die blaßweiße linie zu meiner rechten. hin und wieder passiert mich ein auto, zerstrahlt die dunkelheit und ist plötzlich wieder außer sicht. ich weiche in die böschung aus oder erwarte den stoß der luft, den die schnellreisenden vor sich herschieben.

dann lichtet sich die allee und ich befinde mich nah unterhalb eines dieser unwirklichen windräder. durch mein laufen verschiebt sich der koloss so merkwürdig gegen die sternenbilder, dass es scheint als drehe sich die welt beschleunigt. angetrieben von diesen propellern größenwahnsinniger zivilisationen, die in dem glauben gebaut wurden, die planetare revolution zu jagen wie ein armes tier des waldes könnte immerhin im geringsten die nacht verkürzen. irrglaube.

ich laufe, genieße das leben und die nacht und die freiheit und die herrlichkeit und rufe mit ganzem rumpf gegen das getöse der ewigen rotoren an bis mir die luft wegbleibt. egal. don quijote der wut und ausgeglichenheit, don quijote des ausbruchs und der stille, don quijote der nacht.