Montag, 2. März 2015

vollkommen zerlegt.
der lange, unklare blick auf den kalender lässt ein unhell um mich aufheben.
bald dunkel. ein dunkel, in welchem ununterscheidbar ist, ob die sehnsucht nach der heimat
den schmerz verursacht, der mir die brust durchwirkt, oder die erkennende angst darüber: die zeit kann unmöglich ausreichen, die gesichter hier mit genügend ruhe zu betrachten, die böden dieser welt unter meinen füßen über hinreichend lange kilometer zu spüren, die sprache dieser völker auf mich einwirken zu lassen, bis ich sie wortlos verstehe.

vielleicht führt die verweigerung der flucht vor jener enge in stirn, hals und brustkorb
zu einem bewusstsein des spieles als ein von beginn an schon verlorenes.

nein. kein spiel. leben in aller tiefe, liebe und auswegslosigkeit!
ich bin der erste oder letzte empfänger von leben.
oder einer von unzähligen.

Sonntag, 1. März 2015

das leben wiegt beinahe zu schwer. auf der anderen seite der erdkugel. die internetbude ist laut und die verbindung überlastet. meine mutter versteht nur die hälfte meiner worte. ich kann ihr nicht erzählen, was meine tage mit glück füllt. zu spüren, wie sie voller stolz dennoch versteht, lässt mich beinahe weinen. zwischen warcraft, betonwänden, counterstrike und cumbia. ich mach mir musik an, von dieser band, die früher mal echt und toll waren, und denke. 

vergangenen abend liege ich halb eingerollt auf einer kleinen bank in der tür des schlichten zimmers und lausche dem regen, der auf die blätter der feigen- und chirimoyabäume fällt. zugleich trauer und glück. ich ersaufe in meiner sehnsucht nach dem leben, das längst begonnen hat. hier und dort.

die arbeit an den gedanken über gewalt und erinnerung heißt nun arbeit an den gedanken übers vergessen.

meine halbe stunde ist rum, ich zahle fünfzig centimos und trete hinaus in die nachmittagssonne. spazieren gehen.

Samstag, 31. Januar 2015

Montag, 5. Januar 2015

holzboden mit teppichbodenstaubsauger saugen. einen von der winterwelt abgeschlossenen raum heizen. dvi-bildschirm mit vga-adapter betreiben. dreiundsechzig-ampere-sicherungen anstelle von fünfundtzwanzigern eindrehen. mit worten sehnsucht verhandeln. mit laptop kleist online lesen. eine zu kleine blaue decke über ein rotgemustertes sperrmüllsofa legen. ein gerissenes resonanzfell an der snaretrommel durch altes schlagfell ersetzen. mit dem bus durch die wintersonne fahren. über den alpakkapulli einen aus modernem synthetikstoffgemisch ziehen. erhaltene mails nach sieben kategorien einteilen. brief mit aufforderung zur rückmeldung des zählerstandes auf brief der mutter legen. lebendige musik aus dem internet hören. vom dreh im watt feuchtes holz in den ofen geben. worte des besitzes zu tieren sagen. von menschen träumen ohne je einen moment einvernehmlich mit ihnen geteilt zu haben.

es passt einiges nicht zusammen. wirklich nicht. da war doch diese sache mit dem in-die-welt-geworfen-sein. dann machtergreifung. dann industrialisierung. dann dasitzen und feststellen wie kratzig und unsauber alles zusammenhängt. holismus der unwegbarkeiten, des erfolglosen versuchs, der unnahbaren körper, der halbherzigen illusion.

ohje, leere und aneinanderreihung. und das unter neonröhren, während caspardavidfriedrichscher vollmond keine unsichtbarkeiten zulässt.


vollmond! verwandeln! wolf werden und alle menschen zerfleischen. kalte winde durch fremdes, dampfendes, vom eisen rot gefärbtes, von den klauen triefendes blut jagen spüren. dann freie welt und nächte des nicht dokumentierten.