Donnerstag, 2. Juli 2015

bei vollmond auf dem liegestuhl den grillen lauschend vom igel besucht werden.

und die menschheit erfindet feen und kobolde und flaschengeister, die wünsche erfüllen sollen.

Samstag, 27. Juni 2015

die ameisen fliegen.
dann schwerer regen über stunden.

ich höre eine geliebte stimme singen, erkenne sie nicht.
wirklich seltsam.


wirk-lich. selt-sam.

Freitag, 3. April 2015

hochhäuser reichen in die wolken, die schon am nachmittag in einem abendlichen licht stehen. die gesamte stadt liegt unter einem seltsamen dunkel, regt mich auf und lässt mich unmittelbar eine zukunft für mich in diesen straßen vermuten. ich betrete die gewaltige katedrale und breche unbeholfen in tränen aus. als ich nach einigen augenblicken unter den hohen dächern wieder auf die plaza trete, pulst mir das leben durch die glieder. die farben haben starke kontraste, der blick durch die großstadtschluchten fällt auf die berge, die nur wenige straßenblöcke weiter östlich steil aufstreben und von schwerem, saftigem grün bedeckt sind. ich frage nach einer alten ausgabe von cien años de soledad und mir wird tatsächlich ein buch von zweiundsiebzig gegeben. mir scheint der hohe preis vollkommen unverhältnismäßig in anbetracht meiner übrigen reiseausgaben und so gebe ich das buch nach einigem blättern unglücklich zurück. als es nacht wird, nehme ich einen der modernen busse, die versuchen etwas ordnung an diesen ort zu bringen, an den ordnung vielleicht schlicht nicht gehört. zurück, richtung flughafen.

ich bin nicht mit dem rad durch die straßen gefahren, ich hatte keine kamera bei mir, es hat nicht geregnet. ich bin hier nicht fertig.
bogota, ich komme wieder.

Montag, 2. März 2015

vollkommen zerlegt.
der lange, unklare blick auf den kalender lässt ein unhell um mich aufheben.
bald dunkel. ein dunkel, in welchem ununterscheidbar ist, ob die sehnsucht nach der heimat
den schmerz verursacht, der mir die brust durchwirkt, oder die erkennende angst darüber: die zeit kann unmöglich ausreichen, die gesichter hier mit genügend ruhe zu betrachten, die böden dieser welt unter meinen füßen über hinreichend lange kilometer zu spüren, die sprache dieser völker auf mich einwirken zu lassen, bis ich sie wortlos verstehe.

vielleicht führt die verweigerung der flucht vor jener enge in stirn, hals und brustkorb
zu einem bewusstsein des spieles als ein von beginn an schon verlorenes.

nein. kein spiel. leben in aller tiefe, liebe und auswegslosigkeit!
ich bin der erste oder letzte empfänger von leben.
oder einer von unzähligen.

Sonntag, 1. März 2015

das leben wiegt beinahe zu schwer. auf der anderen seite der erdkugel. die internetbude ist laut und die verbindung überlastet. meine mutter versteht nur die hälfte meiner worte. ich kann ihr nicht erzählen, was meine tage mit glück füllt. zu spüren, wie sie voller stolz dennoch versteht, lässt mich beinahe weinen. zwischen warcraft, betonwänden, counterstrike und cumbia. ich mach mir musik an, von dieser band, die früher mal echt und toll waren, und denke. 

vergangenen abend liege ich halb eingerollt auf einer kleinen bank in der tür des schlichten zimmers und lausche dem regen, der auf die blätter der feigen- und chirimoyabäume fällt. zugleich trauer und glück. ich ersaufe in meiner sehnsucht nach dem leben, das längst begonnen hat. hier und dort.

die arbeit an den gedanken über gewalt und erinnerung heißt nun arbeit an den gedanken übers vergessen.

meine halbe stunde ist rum, ich zahle fünfzig centimos und trete hinaus in die nachmittagssonne. spazieren gehen.